Rechte für die Natur: EU-weite Unterschriftensammlung startet Der Natur eine Stimme geben – eigene Rechte für Ökosysteme

Flüsse, Wälder und andere Ökosysteme sollen eigene Rechte erhalten. Dafür setzt sich die Europäische Bürgerinitiative Rechte für die Natur ein, deren österreichischer Auftakt zur Unterschriftensammlung heute in der MQ Libelle im Wiener MuseumsQuartier stattfand. Auf Einladung von Prof. Dr. Thomas Wallentin kamen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Kultur, Zivilgesellschaft, Recht und Wirtschaft zusammen. Mit ihren öffentlichen Unterschriften unterstützten sie die Forderung nach einem stärkeren Schutz der Natur.
Die Initiative will die Rechte der Natur im europäischen Recht verankern. Ökosysteme sollen das Recht haben, zu bestehen, sich zu regenerieren und nach Schäden wiederhergestellt zu werden. Bürger:innen und Gemeinschaften sollen diese Rechte im Namen der Natur auch vor Gericht durchsetzen können. Damit soll der bestehende Umweltschutz ergänzt und gestärkt werden. Derzeit sind schon 17 Länder in der Initiative vertreten.
Vorzeigebeispiel Mar Menor
Die Lagune Mar Menor in Spanien ist das einzige Ökosystem in Europa mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit. Dies wurde 2022 durch eine spanische Bürgerinitiative erreicht, die mehr als 640.000 Unterschriften sammelte. Im Mai 2026 trat das Mar Menor als erste ökonomische Entität Europas als Kläger vor Gericht auf und macht eigene finanzielle Schadenersatzansprüche geltend.
Eine Million Unterschriften in einem Jahr
Innerhalb eines Jahres will die Initiative mindestens eine Million gültige Unterschriften sammeln und die erforderlichen Mindestzahlen in sieben EU-Mitgliedstaaten erreichen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, muss sich die Europäische Kommission mit dem Anliegen befassen und dazu Stellung nehmen und idealerweise die Ausarbeitung einer EU-Richtlinie starten.
Wallentin, der sich als österreichische Ansprechperson für die Initiative engagiert, versteht die bei der Auftaktveranstaltung fünf vertretenen gesellschaftlichen Bereiche als zentrale Säulen für deren Erfolg. Beim Auftakt erläuterten deren Vertreter, welchen Beitrag ihr jeweiliger Bereich zum Schutz der Natur und zum Erfolg dieser Initiative leisten kann.
Natur schützen – gemeinsam Verantwortung übernehmen
Das Podium machte deutlich, wie die fünf Bereiche ineinandergreifen: Wissenschaft liefert Wissen über den Zustand der Natur, Kunst und Kultur schaffen Aufmerksamkeit, und die Zivilgesellschaft mobilisiert Unterstützung. Das Recht schafft verbindliche Regeln, während die Wirtschaft Verantwortung für die Umsetzung übernehmen muss.
Für die Wissenschaft nahm Prof. Franz Essl teil. Der Ökologe und Biodiversitätsforscher der Universität Wien untersucht die Ursachen und Folgen des Verlusts der Artenvielfalt und wurde zum „Wissenschafter des Jahres 2022“ gewählt.
Die Säule Kunst und Kultur erläuterte Sithara Pathirana. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Klima und Gesellschaft, mit Fokus auf kultureller Bildung und zunehmend auf den Rechten der Natur. Seit 2024 leitet sie die Klima Biennale Wien, in deren Rahmen das Projekt der „Bürgerin Donau“ entstand.
Die Zivilgesellschaft vertrat die Schauspielerin, Autorin und Aktivistin Valerie Huber, die sich für Klima und soziale Gerechtigkeit engagiert. Mit ihrer Online-Petition „Klimakrise: Keine Ausreden mehr – handeln Sie endlich!“ gelang es ihr, im Sommer 2026 mehr als 33.000 Unterschriften zu sammeln.
Die rechtliche Perspektive brachte Dr. Irmgard Griss ein. Die Juristin war langjährig Richterin, Ersatzmitglied des Verfassungsgerichtshofs, Präsidentin des Obersten Gerichtshofes und Abgeordnete zum Nationalrat. Beim Parlament der Wildnis 2026 in St. Pölten war sie dessen Vorsitzende.
Für die Wirtschaft nahm Lukas Fürst teil, der den Familienbetrieb Fürst Möbel in fünfter Generation führt und für die Auszeichnung „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Unternehmen mit Verantwortung“ nominiert ist.
Vor allem die Bevölkerung ist nun eingeladen, die Forderung nach einem wirksameren Schutz der Natur zu unterstützen und kann dafür vor allem die Möglichkeit zur Online-Unterzeichnung nutzen.
Informationen und Unterstützung sowie Unterzeichnung unter: www.rightsfornature.eu
