Neue Oper Wien bringt „Geschichte“ von Oscar Strasnoy ins MAK

Wiener Erstaufführung der a-cappella-Operette ab 16. September 2026
Ein junger Mann ist stets überfordert mit sich, seiner Familie und Umwelt. Auf der Suche nach Zuflucht und seinem wahren Selbst, durchläuft er alle Stationen seines Erwachsenwerdens: vom barfüßigen Aufstand, einer Unreifeprüfung und Musterungskommission, bis hin zu einer Gerichtsverurteilung. So träumt er sich in seine gegenwärtige Geschichte hinein, wo er in Sarajevo den Thronfolger Franz Ferdinand erschossen und damit den Ersten Weltkrieg ausgelöst hat. Mit dieser absurd narzisstischen Selbstüberschätzung nimmt Oscar Strasnoys a-cappella-Operette „Geschichte“ ihren Lauf, die auf den autobiografischen Skizzen von Witold Gombrowicz beruht, einem der bedeutendsten und avantgardistischsten polnischen Schriftsteller und Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Die Neue Oper Wien bringt das Werk nun als Wiener Erstaufführung auf die Bühne. Der Vorverkauf für alle fünf Vorstellungen hat bereits begonnen.
Sechs Stimmen, keine Instrumente
Sechs Sängerinnen und Sänger verwandeln sich in „Geschichte“ ohne ein einziges Orchesterinstrument in eine ganze komplizierte Familie und zugleich in historische Weltfiguren – ein stimmliches Tour-de-Force, das zwischen Familiendrama und Weltgeschichte, zwischen bitterem Ernst und komischer Übertreibung changiert. Ekaterina Protsenko, Ellen Rose Kelly, Johannes Wieners, Valentino Blasina, Felix Heuser und Harald Hieronymus Hein schlüpfen dabei jeweils in mehrere Rollen, vom aristokratischen Familienmitglied bis zum russischen Zaren.
„Diese Operette verlangt den Sängerinnen und Sängern alles ab, was die menschliche Stimme zu leisten vermag – von Sprechgesang bis zu virtuosen Koloraturen. Genau in dieser Reduktion auf das Wesentliche liegt die Kraft des Stücks“, sagt Anna Sushon, musikalische Gesamtleitung und Intendantin der Neuen Oper Wien.
Oper im Museum als Novum
Erstmals bespielt die Neue Oper Wien mit „Geschichte“ die Räume des MAK – Museum für angewandte Kunst und schafft damit eine ungewöhnliche Kulisse für die morbid-komische Familiengeschichte. Zwischen Kunstobjekten und Musiktheater entsteht ein Opernabend, wie man ihn in Wien noch nicht erlebt hat: kompakt, virtuos und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor.
„Wir wollten mit dieser Produktion bewusst aus dem klassischen Opernhaus heraustreten. Das MAK bietet einen Resonanzraum, der die Groteske und die historischen Bezüge des Stücks auf eine ganz neue Weise erlebbar macht“, so Anna Sushon weiter.
Regisseur Taro Morikawa ergänzt: “Gombrowiczs Text ist zeitlos aktuell: Die Frage, wie Familien und Gesellschaften Identität formen und deformieren, hat nichts von ihrer Brisanz verloren. Im MAK, umgeben von Objekten, die selbst Geschichten von Macht und Repräsentation erzählen, bekommt diese Frage einen zusätzlichen Resonanzraum.”
Besetzung
Die Mutter, Zarin Alexandra Fedorowna (Sopran) // Ekaterina Protsenko
Rena, Tina (Mezzosopran) // Ellen Rose Kelly
Witold, General (Countertenor) // Johannes Wieners
Jerzy, 1. Minister, Eulenburg (Tenor) // Valentino Blasina
Janusz, Rasputin, 2. Minister (Bariton) // Felix Heuser
Der Vater, Zar Nikolaus II., Kaiser Wilhelm II. (Bass) // Harald Hieronymus Hein
Musikalische Gesamtleitung // Anna Sushon
Inszenierung // Taro Morikawa
Bühne & Kostüme // Vanessa Pressl
Lichtdesign // Norbert Chmel
Vorstellungen
16. (Premiere), 19., 20., 22. & 23. September 2026
jeweils 19:30 Uhr // Dauer ca. 75 min
MAK – Museum für angewandte Kunst, Vortragssaal, Weiskirchnerstraße 3, 1010 Wien
Tickets: https://shop.eventjet.at/de/neueoperwien
Weitere Informationen unter: www.neueoperwien.at
