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Welttuberkulosetag 2026: Tuberkulose bleibt die tödlichste Infektionskrankheit der Welt

Erstmals seit 2020 gehen die weltweiten Neuerkrankungen leicht zurück – doch rund 11 Millionen Betroffene und rund 1,5 Millionen Tote im Jahr 2024 zeigen: Tuberkulose ist alles andere als besiegt. In einer globalisierten Welt gelangt die Krankheit über Zuwanderung auch nach Österreich. Der Österreichische Tuberkulose Verein fordert anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März verstärkte Anstrengungen in Prävention, Diagnostik und Therapie.

Tuberkulose bleibt die tödlichste Infektionskrankheit der Welt – und das, obwohl sie grundsätzlich heilbar ist. Der WHO Global TB Report 2025 zeigt erstmals seit 2020 einen leichten Rückgang der Neuerkrankungen, doch die Zahlen bleiben erschreckend hoch. „Dieser Trend ist ein kleiner Lichtblick, aber kein Grund zur Entwarnung. Solange jährlich über eine Million Menschen an einer behandelbaren Krankheit sterben, ist die globale Gemeinschaft weit davon entfernt, ihr Versprechen einzulösen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Präsident des Österreichischen Tuberkulose Vereins (ÖTBV).

Univ.-Prof. Dr. Meinhard Kneussl © Wilke
Univ.-Prof. Dr. Meinhard Kneussl © Wilke

Laut den zuletzt verfügbaren Daten macht auch Österreich die Erfahrung, dass Tuberkulose über Zuwanderung aus Ländern mit hoher TB-Last ins Land getragen wird. „Für Österreich bedeutet das: Die TB-Lage muss kontinuierlich beobachtet und entsprechende Screening-Kapazitäten im Gesundheitssystem bereitgehalten werden“, mahnt Kneussl.

Ein erster Rückgang – aber weit vom Ziel entfernt

Laut WHO Global TB Report erkrankten im Jahr 2024 weltweit 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose – nach 10,8 Millionen im Vorjahr der erste Rückgang seit 2020. Die Zahl der Todesfälle sank auf 1,23 Millionen, was einer Reduktion von 29 Prozent gegenüber 2015 entspricht – die WHO-Zielvorgabe einer 75-prozentigen Reduktion bis 2025 wurde damit jedoch deutlich verfehlt. Die aktuelle Reduktion entspricht lediglich rund zwei Fünfteln des angestrebten Meilensteins. „Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist nach wie vor groß – hier braucht es mehr politischen Willen und mehr Ressourcen“, so Kneussl.

Risikogruppen und geografische Brennpunkte

87 Prozent aller TB-Fälle entfallen auf 30 Hochlastländer. Allein acht Staaten – darunter Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Bangladesch – stehen für 67 Prozent des weltweiten Fallaufkommens. Die Krankheitslast verteilt sich auf 54 Prozent Männer, 35 Prozent Frauen und 11 Prozent Kinder unter 14 Jahren.

Fünf Risikofaktoren mit großem Präventionspotenzial

Ein erheblicher Anteil der Neuerkrankungen ist auf fünf bekannte und beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen: Unterernährung, Diabetes, Alkoholmissbrauch, Rauchen und HIV-Infektion. Rund ein Viertel der Weltbevölkerung trägt Tuberkulosebakterien latent in sich – bei geschwächtem Immunsystem oder schlechten Lebensbedingungen kann die Erkrankung jederzeit ausbrechen. 2024 erhielten 5,3 Millionen Menschen eine präventive Therapie gegen latente TB-Infektionen – ein wichtiger, aber noch ausbaufähiger Baustein im Kampf gegen die Krankheit.

Resistenzen: Eine wachsende therapeutische Herausforderung

Besondere Sorge bereitet die Ausbreitung resistenter TB-Formen: Laut WHO Global TB Report 2025 entwickelten rund 390.000 Menschen im Jahr 2024 eine rifampicinresistente bzw. multiresistente Tuberkulose (RR/MDR-TB) – mit rund 150.000 Todesfällen allein durch diese Formen. Nur rund 44 Prozent dieser Patientinnen und Patienten erhalten eine adäquate Behandlung. „Medikamentenresistente Tuberkulose ist im schlimmsten Fall nicht mehr therapierbar – umso wichtiger ist es, Erstinfektionen konsequent und lückenlos zu behandeln“, warnt Kneussl. Vier Länder – Indien, China, die Philippinen und die Russische Föderation – stehen für mehr als die Hälfte aller weltweiten MDR/RR-TB-Fälle.

Früherkennung rettet Leben

Seit dem Jahr 2000 wurden weltweit 83 Millionen Menschenleben durch TB-Behandlung gerettet – ein Beleg dafür, was konsequentes Handeln bewirken kann. Typische Warnsignale wie anhaltender Husten, Nachtschweiß, unerklärlicher Gewichtsverlust und Fieber sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden. Der ÖTBV appelliert an Bevölkerung und medizinisches Fachpersonal: Tuberkulose ist keine Krankheit der Vergangenheit – sie ist präsent, sie ist gefährlich, und sie ist besiegbar.

Wissenschaftliches Symposium am 23. März

Einen Tag vor dem Welttuberkulosetag veranstaltet der ÖTBV ein wissenschaftliches Symposium, bei dem führende Expertinnen und Experten die aktuelle globale und österreichische TB-Situation sowie neueste Erkenntnisse zu Diagnostik, Therapie und Prävention vorstellen und diskutieren. Die Veranstaltung richtet sich an medizinisches Fachpublikum und unterstreicht das langjährige Engagement des Verbandes für eine evidenzbasierte Tuberkulosebekämpfung in Österreich.

Weitere Informationen zum Symposium unter: https://akademie.ages.at/symposium_zum_welt-tuberkulose-tag-1/programm.html